Ich startete meine ersten Reitversuche mit 4 Jahren in einer Ponyreitschule. Als Jugendliche wechselte ich zur Reitschule nach klassischen Grundsätzen auf Friesen. Sämtliche Anekdoten und Abendteuer entsprangen dieser glücklichen Zeit. Später erfolgte, aufgrund entdeckten Ehrgeizes, dass Training und die Turnierbetreuung von Springpferden, einschließlich erster negativer Erfahrungen, die auf beiden Seiten schmerzlich verliefen.

Mein erstes Pferd kaute ich im Alter von 18 Jahren, mein absolutes Lehrpferd, wie sich noch heraus stellen sollte. Es handelte sich um einen 7 jährigen Wallach, Turnierpferd, Springen Klasse M schon platziert, zum Schnäppchenpreis gekauft. Ich fragte mich damals nicht, warum ich ein so talentiertes Pferd für so einen geringen Preis erstehen konnte. Die Freude über meine Errungenschaft schaltete meine Vernunft aus. Über ein Jahr später, nach drei Krankenhausaufenthalten und etlichen Reitlehrern war klar, dass konventionelle Trainingsmethoden versagt hatten und auch ich war ratlos. Die letzten kläglichen Versuche, mein Pferd zum Training auf einen Anhänger zu verladen, endeten in einen psychischen und physischen Desaster. Für mich war dies der Tiefpunkt, wie er schwärzer nicht hätte sein können. Wo war diese Leichtigkeit, die ich als Kind im Umgang mit meinen Pferden hatte? Sie waren mir lieber als die Menschen um mich herum. Ich vertraute mich Ihnen an, so wie sie es auch taten, genoss Ihre Zuneigung, Ihren Mut und Ihren Willen, dass beste in völliger Harmonie zu leisten.

Da ich am Ende war, änderte ich mein Konzept: Das neue Ziel hieß Vertrauen und Freundschaft gewinnen und das auf beiden Seiten. Ich wollte nicht mehr Gegner-, sondern Freund sein.  Jeglichen Trainern wurde abgesagt, Sporen, Gerten, scharfe Gebisse und sämtliche Arten von Ausbindern ( denn jegliches von diesen Dingern sollte schließlich ein spezielles Problem lösen) aus dem Stall verbannt. Fortan galt: weniger ist mehr. Mit einer ordentlichen Portion Mut, Sattel und Halfter mit zusammengeknoteten Führstricken als Zügel-, drehten wir erstmals friedlich miteinander unsere Runden. Freundlicher im Umgang war mein Pferd jetzt, aber zu sagen hatte ich dennoch nichts. Ich suchte nach Trainingsmethoden-, die beides Verbinden konnten: Freundschaft UND Respekt. Schließlich fand ich einige Bücher über Horsemanship, die ich wissbegierig verschlang. Dennoch sagte mir häufig die Art der " Dominierung ", die vorerst nicht auf gegenseitiges Vertrauen, sondern nur auf Angst- Respekt des Pferdes geprägt war, nicht zu. Wäre es nicht besser, erst eine vertrauensvolle Basis zu schaffen, bevor man anfängt sich den gegenseitigen Respekt zu erarbeiten? Die Methode von Pat Parelli überzeugte mich, der erste Kurs war schnell gebucht. Nachdem das Pferd in einem zweistündigen Akt und einem Pfund Hafer, sowie etlichen Bananen auf den Anhänger gesperrt worden war, hatte nun die Stunde Null geschlagen. Jegliche Erfahrungen ab diesem Zeitpunkt waren unbeschreiblich schön. Mein Pferd überwand mit mir sämtliche, vorher niemals mögliche Hindernisse ( Flattervorhang, Plane, Bälle...) und stand nach zehn Minuten ohne das übliche terroristische Gehabe auf dem Anhänger.

Mir entglitten sämtliche Gesichtszüge.....und saß geschockt auf dem Hallenboden. Mein Pferd stand mit hängender Unterlippe an meinem Kopf gelehnt dar und schnaubte sanft. Dies war ein Meilenstein in meinem Leben und fortan ging es bergauf. Wir lernten uns gegenseitig zu vertrauen und zu respektieren. Mein Pferd erlebte dieses Gefühl das erste mal in seinem Leben und er dankte es mir täglich....und ich Ihm.

Futuro ist nun 22 Jahre alt und fordert täglich seine Spaziergänge oder klassische Handarbeit ein. Sein Motto: Wer rastet der rostet!